Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und herzlich willkommen!
Wir setzen die Katechesen über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und den Kommentar der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium über die Kirche (LG ) fort. Nachdem wir sie als Volk Gottes vorgestellt haben, betrachten wir heute ihre hierarchische Form.
Die katholische Kirche hat ihr Fundament in den Aposteln, von Christus gewollt als lebendige Säulen seines mystischen Leibes, und sie besitzt eine hierarchische Dimension, die im Dienst der Einheit, der Sendung und der Heiligung aller Glieder wirkt. Diese heilige Ordnung ist dauerhaft auf die Apostel gegründet (vgl. Eph 2,20; Offb 21,14), da sie maßgebliche Zeugen der Auferstehung Jesu sind (vgl. Apg 1,22; 1 Kor 15,7) und vom Herrn selbst in die Welt ausgesandt wurden (vgl. Mk 16,15; Mt 28,19). Da die Apostel berufen sind, die Heilslehre des Meisters treu zu bewahren (vgl. 2 Tim 1,13-14), geben sie ihr Dienstamt an Männer weiter, die bis zur Wiederkunft Christi die Kirche heiligen, leiten und belehren, »und zwar durch jene, die ihnen in ihrem Hirtenamt nachfolgen« (KKK , Nr. 857).
Diese auf das Evangelium und die Überlieferung gegründete apostolische Sukzession wird in Kapitel III von Lumen gentium vertieft, das den Titel trägt: »Die hierarchische Verfassung der Kirche, insbesondere das Bischofsamt«. Das Konzil lehrt, dass die hierarchische Struktur kein menschliches Konstrukt ist, das der inneren Organisation der Kirche als gesellschaftliches Gefüge dient (vgl. LG 8), sondern eine göttliche Einrichtung, darauf ausgerichtet, die den Aposteln von Christus übertragene Sendung bis zum Ende der Zeiten fortzuführen.
Die Tatsache, dass dieses Thema im dritten Kapitel behandelt wird, nachdem in den ersten beiden Kapiteln das eigentliche Wesen der Kirche betrachtet wurde (vgl. Acta Synodalia III/1, 209-210), bedeutet nicht, dass die hierarchische Verfassung ein dem Volk Gottes nachgeordnetes Element ist. Wie es im Dekret Ad gentes heißt, »bildeten die Apostel die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie« (Nr. 5), als Gemeinschaft der vom Pascha Christi Erlösten, die als Mittel zur Erlösung der Welt eingesetzt wurde.
Um die Absicht des Konzils zu erfassen, ist es angebracht, den Titel des dritten Kapitels von Lumen gentium genau zu lesen: Er erläutert die grundlegende Struktur der Kirche, empfangen von Gott, dem Vater, durch den Sohn und zur Vollendung gebracht durch die Ausgießung des Heiligen Geistes. Die Konzilsväter wollten nicht die institutionellen Elemente der Kirche darlegen, wie das Substantiv »Konstitution«, im modernen Sinne verstanden, vermuten lassen könnte. Vielmehr ist das Dokument auf »das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum« ausgerichtet, das sich vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen »dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach« unterscheidet und in Erinnerung ruft, dass sie »einander zugeordnet« sind. »Das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil« (LG 10). Das Konzil behandelt also das Amt, das an Männer weitergegeben wird, die für den Dienst in der Kirche mit der »sacra potestas« ausgestattet sind (vgl. LG 18): Es spricht insbesondere über das Bischofsamt (LG 18-27), dann über das Priesteramt (LG 28) und über das Diakonat (LG 29) als Stufen des einen Weihesakraments.
Mit dem Adjektiv »hierarchisch« will das Konzil daher den heiligen Ursprung des apos-tolischen Dienstes im Wirken Jesu, des Gu-ten Hirten, sowie dessen innere Beziehungen aufzeigen. Vor allem die Bischöfe und durch sie die Priester und die Diakone haben Aufgaben (auf Lateinisch »munera«) erhalten, die sie zum Dienst an »allen, die zum Volke Gottes gehören« führen, auf dass diese »in freier und geordneter Weise sich auf das nämliche Ziel hin ausstrecken und so zum Heile gelangen« (LG 18).
Die Konstitution Lumen gentium erwähnt mehrfach nachdrücklich den kollegialen und gemeinschaftlichen Charakter dieser apostolischen Sendung und betont: »Jenes Amt aber, das der Herr den Hirten seines Volkes übertragen hat, ist ein wahres Dienen, weshalb es in der Heiligen Schrift bezeichnenderweise mit dem Wort ›Diakonia‹, das heißt Dienst, benannt wird« (LG 24). So versteht man, warum der heilige Paul VI. die Hierarchie als eine Wirklichkeit bezeichnet hat, die »aus der Liebe Christi stammt, damit jener heilige Glaube erfüllt, verbreitet und immer rein und fruchtbar überliefert werde als ein Schatz der Vorbilder, Gebote und Charismen, die Chris-tus seiner Kirche als Erbteil hinterließ« (Ansprache bei der Eröffnung der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, 14. September 1964, in Acta Synodalia III/1, 147).
Liebe Schwestern und liebe Brüder, bitten wir den Herrn, dass er seiner Kirche Amtsträger senden möge, die von der Nächstenliebe im Sinne des Evangeliums erfüllt sind, sich dem Wohl aller Getauften widmen und mutige Missionare in allen Teilen der Welt sind.
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Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, beten wir besonders für die Bischöfe, die als Nachfolger der Apostel berufen sind, das Volk Gottes zu heiligen, zu leiten und zu lehren, und so als treue Hirten zum Aufbau und Wohl des ganzen mystischen Leibes Christi beitragen.
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